Rechtes Tagungshotel
Seit vielen Jahren treffen sich im Hotel »Hufhaus« nahe des thüringischen Nordhausen neonazistische Organisationen fast ungestört für Veranstaltungen, Seminare und Tagungen. Zuletzt im Juni 2010 zu den »Tagen Deutscher Gemeinschaft« und einer »Sonnenwendfeier« der »Artgemeinschaft«.
An dieser Stelle gibt das BgR Nordhausen einen Artikel wieder, welcher uns freundlicherweise durch die Autoren Kai Bulder und Roland Meixelsberger zur Verfügung gestellt und in »Der Rechte Rand« Ausgabe 125 erstveröffentlicht wurde.
Der Rechte Rand No. 125 Juli/August 2010
Rechtes Tagungshotel – Neonazi-Treffpunkt im Südharz
von Kai Budler und Roland Meixelsberger
Seit vielen Jahren treffen sich im Hotel »Hufhaus« nahe des thüringischen Nordhausen neonazistische Organisationen fast ungestört für Veranstaltungen, Seminare und Tagungen. Zuletzt im Juni 2010 zu den »Tagen Deutscher Gemeinschaft« und einer »Sonnenwendfeier« der »Artgemeinschaft«.
Der Weg zum Hotel »Hufhaus« in der Gemeinde Ilfeld in der Nähe des thüringischen Nordhausen ist lang und mühsam, die Anfahrt mit dem Auto ist nur über einen gepflasterten Waldweg mit Schlaglöchern möglich. Über Kilometer führt die Strecke durch die Ausläufer des Harzes direkt zu dem abgelegenen Anwesen mitten im Wald. Eine Lage, die neue und alte Nazis sehr schätzen: Seit mehr als zehn Jahren finden auf dem weitläufigen Gelände regelmäßig Treffen der extremen Rechten mit Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet statt.
»Tage deutscher Gemeinschaft«
Von der Öffentlichkeit abgeschirmt und gänzlich ungestört veranstaltet »Die Deutsche Freiheitsbewegung« (DDF) zweimal im Jahr ihre »Tage Deutscher Gemeinschaft« mit bis zu 120 Teilnehmern am »Hufhaus«, zuletzt vom 4. bis 6. Juni 2010. Man kennt sich untereinander, Fremde werden von den martialisch wirkenden Securities argwöhnisch beäugt, während Günter Deckert die Gäste vor dem Haupthaus herzlich begrüßt. Der ehemalige NPD-Bundesvorsitzende und verurteilte Holocaustleugner ist Mitbegründer der »Tage Deutscher Gemeinschaft«, die anfangs noch als »Lesertreffen« der von der DDF herausgegebenen Zeitschrift »Recht und Wahrheit« firmierten. Nachdem der heute 70-Jährige 2008 aus der NPD ausgeschlossen wurde, führte ihn sein Weg erst zur extrem rechten »Deutschen Liste« und schließlich zur Gruppierung »Aufbruch freies Deutschland«. In dem Projekt, das »alle politikfähigen Patrioten aller bestehenden Parteien vereinen« will, ist auch Deckerts Ziehsohn Stefan Wollenschläger aus Weinheim zu Hause, der die »Tage deutscher Gemeinschaft« mitleitet. Seit 1997 treffen sich nun in Nordthüringen-Vertreter völkischer Ideologie, organisierte Neonazis und Revisionisten sowie Anhänger von antisemitischen Verschwörungstheorien.
Völkische und Holocaust-Leugner
Auf der Rednerliste des bislang letzten Treffens standen zum Beispiel der Holocaustleugner Friedrich Stelzel aus München und der stellvertretende Vorsitzende des NPD-Landesverbandes Schleswig-Holstein, Ingo Stawitz. Aus Köln reiste Beatrix Ullrich in den Harz, um eine Einführung in »Germanische Neue Medizin« zu geben. Sie sitzt im Vorstand des »Wilhelm Kammeier Vereins«, der die geschichtsrevisionistische Zeitschrift »Der freie Mensch – Schrift für idealistische Ordnung« herausgibt. Deckert selbst suchte sich für seinen Vortrag ein Thema, bei dem er als Spezialist glänzte: Er sprach über den Paragraphen 130 des Strafgesetzbuches (»Volksverhetzung«) »und sein Opfer«.

Auch andere Neonazis schätzen die abgeschiedene Weitläufigkeit des »Hufhauses« an der Grenze zu Sachsen-Anhalt. Zweimal im Jahr beherbergt das Hotel auch die germanisch-völkische »Artgemeinschaft«, die vor allem durch ihren inzwischen verstorbenen Vorsitzenden Jürgen Rieger bekannt wurde. Der »Kampfverband« für »die Möglichkeiten einer artgemäßen Lebensführung« lädt seit 2000 zu Tagungen dorthin ein und feiert auf einer angrenzenden Wiese die Sonnenwende. Bis heute schätzt die »Artgemeinschaft« die Ungestörtheit im Harz, zu ihrem bislang letzten Treffen am dritten Juniwochenende (19.-20. Juni 2010) kamen rund 200 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet.
Der Inhaber des »Hufhauses« Jakob Lotter und seine Familie scheinen mit den Nazis kein Problem zu haben. Bei der Lektüre der von Lotter herausgegebenen Publikation »Hufhäuser Provokation« drängt sich außerdem der Verdacht auf, dass man sich in der verschwörungstheoretischen Sichtauf aktuelle Geschehnisse auf der gleichen Seite oder dem gleichen Weg wähnt. Eine Stellungnahme Lotters gibt es bis heute nicht.
Ungestörte Treffen
Vor Ort ist das braune Unwesen kein Thema, nur eine Familie beschwerte sich bei den Behörden, als sie im Urlaub in ein Nazitreffen geriet. Den zuständigen Stellen sind die regelmäßigen Zusammenkünfte jedoch schon seit Jahren bekannt, ihnen seien jedoch die Hände gebunden, heißt es. Desinteresse schlägt auch Antifaschisten entgegen, die seit Jahren auf die Treffen aufmerksam machen. Im Niemandsland zwischen Desinteresse und Untätigkeit hat sich das »Hufhaus« als ein Ort etabliert, an dem mit Duldung des Inhabers bundesweite Treffen, Versammlungen und Feiern mit bis zu 200 Personen völlig ungestört möglich sind. Die regionale Neonazi-Szene hingegen hat das »Hufhaus« (noch) nicht für sich entdeckt. Denn im Gegensatz zu den vor allem auf eine Binnenwirkung zielenden Treffen von DDF und »Artgemeinschaft« bevorzugt die jugendkulturell geprägte Szene in Nordthüringen leichter erreichbare Orte für ihre Veranstaltungen und Konzerte, wie zum Beispiel die beliebte »Erlebnisscheune« in Kirchheim oder das »Schützenhaus« in Pößneck.
Unbeachtet sollte das »Hufhaus« angesichts der jüngsten Entwicklungen im Harz aber nicht bleiben. Weitere Beispiele für die dortige Vernetzung der Neonazi-Szene sind die länderübergreifende Zusammenarbeit der regionalen NPD-Verbände in der »Festung Harz« und die Gründung der Regionalgruppe Südniedersachsen des »Ring nationaler Frauen« in Bad Lauterberg.
Zusammen mit den bisher bekannten Treffen im »Hufhaus« zeigt sich: Der Harz wird als zumeist ungestörter Tummelplatz für die extreme Rechte immer beliebter. // Artikel als pdf-Datei
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// weiterlesenAn dieser Stelle gibt das BgR Nordhausen zwei Artikel wieder, welche uns freundlicherweise durch die Autoren Andrea Röpke und Maik Baumgärtner bzw. Roland Meixelsberger zur Verfügung gestellt wurden. Beide Artikel haben die neonazistischen Treffen im Hotel »Hufhaus« zum Thema.
Der Artikel von Andrea Röpke und Maik Baumgärtner »Braunes Treiben im »Hufhaus«« wurde am 21. Juni 2010 auf der Informationsseite »Blick nach Rechts« erstveröffentlicht. Ebenfalls am 21. Juni 2010 erschien der Artikel »Sonnenwendfeier zur »artgemäßen Lebensführung«« von Roland Meixelsberger auf der Internetseite »npd-blog.info«
21. Juni 2010 - Sonnenwendfeier zur »artgemäßen Lebensführung« von Roland Meixelsberger
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