{ 5. Juli 2010 }

Kommerz und Politik

An dieser Stelle gibt das BgR Nordhausen einen Artikel wieder, welcher uns freundlicherweise von Roland Meixelsberger zur Verfügung gestellt wurde. Der Artikel porträtiert den Neonazikader Patrick Weber aus Sondershausen und wurde in der »Der Rechte Rand« No. 124 Mai/Juni 2010 erstveröffentlicht.

Im nordthüringischen Sondershausen betreibt der 27-jährige Neonazi Patrick Weber den »Germania Versand«. Seit 2009 sitzt er für die NPD auch im Kommunalparlament. An der Schnittstelle zwischen Partei und rechtem Lifestyle macht der Nachwuchs-Nazi seit Jahren erfolgreich Politik.

Den bisherigen Höhepunkt seiner politischen Karriere erreichte der Thüringer Neonazi Patrick Weber im Juni 2009, als er bei den Thüringer Kommunalwahlen für die NPD in den Stadtrat von Sondershausen (NPD: 4,2 Prozent) und den Kreistag des Kyffhäuserkreises (NPD: 4,8 Prozent) gewählt wurde. Nach eigenem Bekunden ist der 1983 Geborene bereits seit seinem 14. Lebensjahr in der extremen Rechten aktiv. Der Zögling des heutigen NPD-Vorsitzenden in Thüringen Frank Schwerdt wirkt seit Jahren, offenbar erfolgreich, an einer wichtigen Schnittstelle innerhalb der extremen Rechten, genau dort wo Partei- und Kommunalpolitik auf neonazistische Jugend-Subkultur trifft.
Seine politische Karriere begann 2001 mit dem Eintritt in die NPD. Schnell übernahm Weber die Leitung des »Großverbandes Nordhausen/Sondershausen« der Partei und baute den Verband soweit aus, dass 2007 daraus die eigenständigen Kreisverbände Nordhausen und Kyffhäuserkreis hervorgehen konnten. Heute leitet Weber den Verband im Kyffhäuserkreis als Vorsitzender. Gleichzeitig besetzt er den wichtigen Posten als Schatzmeister im NPD-Landesverband und ist dort auch für das »Referat Soziales« zuständig.

»Antikapitalismus« von Rechts

Für den gelernten Maler und Lackierer sind Arbeitsmarktpolitik und der Lehrstellenmangel in der Region wichtige Themen. Seine Politik orientiert er an sozialen Fragen und einem »Antikapitalismus von Rechts« (vgl. DRR Nr. 106). So nahm er an der Auftaktdemonstration der sogenannten »Antikap-Kampagne« (vgl. DRR Nr. 100) am 1. April 2006 in Arnstadt teil und war gemeinsam mit dem Jenaer Neonazi Ralf Wohlleben Anmelder des Aufmarsches »Zukunft statt Globalisierung – Für eine nationale und soziale Perspektive« in Nordhausen am 7. Oktober 2006. Zu dem Aufmarsch kamen unter anderem der Bundesvorsitzende der NPD Udo Voigt, der »Kameradschafts-Aktivist« und Betreiber des »WB Versandes« Thorsten Heise (NPD) sowie der führende Neonazikader in Thüringen, Patrick Wieschke (NPD) aus Eisenach. Hier bewährten sich offenbar die guten Kontakte, die Weber bereits in jungen Jahren knüpfen konnte.

Rechte Subkultur

Derzeit ist Weber zentral an der Organisation der neonazistischen »Treffen der Generationen« beteiligt, die in der Kirchheimer »Erlebnisscheune« nahe Erfurt stattfinden (siehe S. 6). Öffentlich tritt er als Kontaktperson für die Veranstaltungsreihe auf. Auch für ein »National Socialist Black Metal«-Konzert im November 2009 in Kirchheim, das von Hendrik Möbus organisiert worden war, soll Weber die Räumlichkeiten vermittelt haben, wie Recherchen des MDR ergaben.
Seit Dezember 2004 betreibt Weber den extrem rechten »Germania-Versand«. Zum Angebot des Internetversandes gehören CDs der internationalen RechtsRock-Szene, Runen-Schmuck und Textilien mit Motiven der extremen Rechten. Mit einer von der Stadtverwaltung Sondershausen ausgestellten »Reisegewerbekarte« ist es ihm außerdem möglich, bei Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem »Thüringentag der nationalen Jugend« oder dem »Sommerfest der Nationalen Bewegung in Sachsen-Anhalt« in Sangerhausen, Verkaufsstände zu betreiben. In den letzten Jahren war zu beobachten, dass an seinem Stand auch Artikel des »Hate-Hate«-Versandes angeboten wurden. Auch für dessen Internetseite zeichnet Weber verantwortlich. Mit dem Label »Germania Records« produziert er außerdem CDs, beispielsweise Alben der neonazistischen Liedermacher Manuel Zieber und »Jürgen V.« oder der Band »Sköll Dagaz«, »Celtic Dawn« und »Wolfssang«/»Rabenschrei«.

Konzerte

Webers Arbeit zieht immer wieder Ärger mit der Polizei nach sich. So wurde 2006 seine Wohnung wegen des Verdachts der Volksverhetzung durchsucht und 2008 fand eine Razzia bei ihm statt, bei der nach CDs gesucht wurde, auf deren Cover das Symbol einer SS-Division gedruckt war. Doch auch schon vorher machte Weber Bekanntschaft mit der Polizei. Für den 10. Dezember 2005 hatte er ein altes Getränkelager unter dem Vorwand einer Geburtstagsfeier angemietet. Die Feier entpuppte sich aber als konspirativ geplantes RechtsRock-Konzert mit der Band »Odessa«. Das Konzert wurde durch die Polizei aufgelöst, wobei es zu massiver Gegenwehr durch die Teilnehmer kam. Nordhausens AntifaschistInnen berichten außerdem von einem Konzert, das, als Hochzeitsfeier getarnt, am 24. Juni 2006 in der Gaststätte »Brühl« in Sondershausen-Bebra stattfand. Auf dem Konzert sollen bis zu 200 Nazis gewesen sein.
2008 war Weber dann Veranstalter des »7. Thüringentags der nationalen Jugend« in Sondershausen (siehe DRR Nr. 113). Bei seiner dortigen Rede offenbarte er einmal mehr seine Schwäche, frei zu reden. Mittlerweile hat er aber an seinem Auftreten gearbeitet, nicht zuletzt, um bei den Stadtrats- und Kreistagssitzungen kompetent zu wirken. Der junge Neonazikader hat über die Jahre an Profil und Selbstbewusstsein gewonnen und ist in Sondershausen und im Kyffhäuserkreis zu einer festen Institution geworden. So macht er sich für die Jugend stark, zum Beispiel wenn Jugendclubs geschlossen werden sollen. Ob als Parteifunktionär, Versandbetreiber, Musikproduzent oder Veranstalter, der Multifunktionär Weber gehört zu einer neuen Generation der Thüringer Neonazis, die Gegenwart und Zukunft der Szene bestimmt. Artikel als pdf-Datei

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