{ 5. Juli 2010 }

Sonnenwendfeier zur »artgemäßen Lebensführung«

An dieser Stelle gibt das BgR Nordhausen zwei Artikel wieder, welche uns freundlicherweise durch die Autoren Andrea Röpke und Maik Baumgärtner bzw. Roland Meixelsberger zur Verfügung gestellt wurden. Beide Artikel haben die neonazistischen Treffen im Hotel »Hufhaus« zum Thema.

Der Artikel von Andrea Röpke und Maik Baumgärtner »Braunes Treiben im »Hufhaus«« wurde am 21. Juni 2010 auf der Informationsseite »Blick nach Rechts« erstveröffentlicht. Ebenfalls am 21. Juni 2010 erschien der Artikel »Sonnenwendfeier zur »artgemäßen Lebensführung«« von Roland Meixelsberger auf der Internetseite »npd-blog.info«

21. Juni 2010 – Sonnenwendfeier zur »artgemäßen Lebensführung«
von Roland Meixelsberger

»Wir veranstalten hier ein Volksfest!«, sagt ein älterer Herr, Anfang 60. Ein anderer Mann ergänzt entschlossen: »In geschlossener Gesellschaft!« Ein Dritter gibt dann sogar über den Anlass Auskunft: »…wir feiern hier die Sommersonnenwende, auch wenn diese erst nächste Woche ist«. So oder so ähnlich wird es wohl auch anderen Menschen am dritten Juniwochenende ergangen sein, als sie Wald und Wanderwege rund um das Hotel Hufhaus für ihre Wochenend-Freizeit-Gestaltung aufsuchten.

Kinder lachen und laufen über Feld und Wiese, es riecht nach Gegrilltem, jemand spielt Gitarre und viele große und kleine Zelte stehen da auf dem weitläufigen Gelände des Hotel Hufhaus. Die Parkplätze sind voller Autos, so dass am Wegesrand und wild auf der Wiese geparkt wird. Die Kennzeichen stammen aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands und sogar aus Österreich. Frauen wie Männer sind in Trachten gekleidet: die Frauen laufen in Röcken und geflochtenen Zöpfen umher, während die Männer Zimmermannshosen, Kordhosen oder kurze Lederhosen mit Hemden und Westen tragen. Die Frisuren sind kurz und bei etlichen zu einem ordentlichen Scheitel gekämmt. Bei einigen Frauen und Männern fällt eine schwarze Bluse bzw. ein schwarzes Hemd auf, das am linken Oberarm einen Aufnäher trägt. Das Aussehen wirkt völkisch oder wie aus Regionen, die für ihre Trachtenmode bekannt sind.

Die Beobachtungen enden abrupt mit einer Umzingelung: die Situation wirkt bedrohlich, mit hartem Ton wird gefragt, was man denn hier zu tun habe bzw. was man denn suche und so intensiv schaue. Zeit für Erklärungen scheinen die fragenden Herren nicht zu haben. Der eine fällt dem anderen ins Wort, ein direkter Ansprechpartner ist nicht auszumachen. Der Kreis zieht sich enger und es kommen noch weitere Männer hinzu. Mitten im Wald, auf dem Weg zu der Gaststätte im Hotel Hufhaus, muss man sich vor Leuten erklären, die weder freundlich wirken noch erkennen lassen was sie ausweist bzw. woraus sich ihre Befugnis ergibt, sich in den Weg zu stellen, das Weitergehen zu unterbinden und einen zu bedrängen.

Um das Rätsel aufzulösen: ohne Vorwarnung landet man am dritten Juniwochenende auf der Hufhausanlage bei Nordhausen in einer Veranstaltung der sogenannten »Artgemeinschaft« mit rund 200 Teilnehmern. Neuheidnische Organisationen wie die »Artgemeinschaft« sind ein wesentlicher Bestandteil des ideologischen Überbaus der extremen Rechten. Sie vermitteln den Neonazis ein Weltbild und geben dem Handeln der Akteure einen Sinn. Der Nazi-Anwalt und NPD-Funktionär Jürgen Rieger war bis zu seinem Tod 2009 wohl das bekannteste Gesicht und ebenda der Vorsitzende der »Artgemeinschaft – Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung e.V.«.

Kampfverband

Die rassistische und neonazistische »Artgemeinschaft« kann getrost als Hintergundorganisation des organisierten Neonazismus in Deutschland betrachtet werden. In ihren Reihen finden sich Kader aus der militanten Kameradschaftsszene ebenso wieder wie neu-rechte Ideologen. In Anbetracht der doch recht markigen Selbstdarstellung »Die Artgemeinschaft ist kein ‘Schönwetterverein’, der friedlich, fröhlich, fromm und betulich bei Kaffee und Kuchen ein wenig von der Vergangenheit schwärmt (…) Die Artgemeinschaft ist gezwungen worden, ein Kampfverband zu sein, der um die Möglichkeiten einer artgemäßen Lebensführung kämpfen muss« wird das beschriebene Verhalten klar. Man will unter sich sein und jeder der nicht augenscheinlich dazu gehört wird als Feind betrachtet.

Eine kritische Öffentlichkeit zu den Treffen von »Artgemeinschaft« oder »Tage Deutscher Gemeinschaft« der neonazistischen Organisation »Die Deutsche Freiheitsbewegung e.V. – Der Bismarck Deutsche« ist in der Region bisher nicht zu finden. Ebenso scheint es an einer Sensibilisierung zum Umgang mit extrem rechten Gruppierungen und Treffen zu fehlen. So konnte am vergangenen Wochenende mal wieder ungestört und ungehindert eine neonazistische Sonnwendfeier, mit Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet, auf dem Gelände des Hotel Hufhaus in der Gemeinde Ilfeld stattfinden. Es war nicht das erste Mal und es ist zu befürchten, dass es auch nicht das letzte Mal sein wird. zum Artikel – npd-blog.info

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