{ 8. Februar 2010 }

bunter Brockensturm

»Das habe ich noch nicht erlebt. Mehr als 8 Wochen bin ich in Deutschland. Aus Afghanistan, aus dem alltäglichen verrückten Leben entkommen. Voller Hoffnung in Deutschland angekommen. Aber es war traurig, es war nicht so freundlich wie ich hoffte. Es war manchmal so, dass ich keinen Mut mehr hatte… und dann das: Kommt ihr mit zum Brocken? Wir fahren auf diesen Berg in der Mitte Deutschlands.«

der Brocken ist buntWarum dorthin? Es gab einen Aufruf, am 31. Januar 2010 wieder und in dieser Form erstmals zu zeigen, dass dieser so symbolträchtige Ort für die deutsche Nationalkultur und die Wiedervereinigung Deutschlands seine Bedeutung behält, wenn von hier ein Zeichen der Überwindung von Grenzen, von trennenden Mauern und von nationalistischen Selbstschüssen geistiger Verdummung ausgeht. Für alle Gegenden der Welt. So ein Berg ist nicht die Mitte einer vermeintlichen Festung. Er ist der weithin sichtbare und tolle Aussichten ermöglichende Berg. Er lädt ein, ist spannend zu erleben bei jeder Witterung.

So auch an diesem 31.Januar. Menschen aus 10 Ländern kamen wandernd (ein Teilstück), auf Skiern oder mit der Harzquerbahn, um den sympathischen Wirtsleuten ihre Aufwartung zu machen. Die Fahrt wurde zu einer stimmungsvollen Tour dank einer Reggaeband und ausreichend Verpflegung für alle. Ohne ein wunderbar freundliches Personal, voller Verständnis für diese und jene erstaunte Mitreisende, wäre es nicht so schön geworden. Sogar ein kurzes Mittanzen war möglich. Und als das Personal der Bahn sich so rührend um einen “verloren” Gegangenen bemühte, dachte ich, so freundlich müssten wir miteinander an vielen Stellen mit Gästen in unserem Land umgehen. Diese Freundlichkeit traf auf die Freude der Mtreisenden. Sie steckte an. Auch die Sicherheitsbesorgten, denn immerhin waren ja Bundestagsabgeordnete aus den drei Harzbundesländern dabei. Aus Thüringen Kathrin Göring-Eckardt.

im ZugMit Schnee kann man sich necken, mit Schnee kann man Berge wachsen lassen, Iglus bauen…das ist ein Spaß für alle Menschen. Brauchten einige unterwegs vor allem Abkühlung, suchten wir auf dem benebelten Brocken die Wärme der Wirtschaft. Dort wurde es noch einmal deutlich gesagt: dass und warum der Brocken etwas besonderes ist. Die Kinder malten ihren Traumbrocken, die anderen schrieben ihre Gedanken-Brocken auf. Botschaften wurden daraus, die in den angrenzenden Landkreisen den Landräten übergeben wurden, einige Tage nach der Fahrt. Nun sind diese vielen Worte zu lesen. Sie künden von dem Wunsch, dass dieser Brocken niemandem ein Kloß im Hals wird, weil er eine andere Hautfarbe oder Sprache hat. Auf Persisch, Urdu, Englisch und noch einige Sprachen ist es nachzulesen. Teils deutlich und direkt, teils poetisch bauen sich die Hoffnungen für ein Zusammenleben in Frieden und mit vielen Brücken zwischen den Kulturen auf. Und dass dieser Brocken dafür steht, dass wir in einem für alle Menschen würdigen Land leben.

Das zogen wir bis zur Rückkehr durch. Der, welcher die oben zitierten Worte so ähnlich auf der Rückfahrt sagte, hatte dabei Tränen in den Augen. Deutschland hatte eine Seite gezeigt, die keine Eintagsfliege bleibt. Brocken, wir kommen wieder. Bei guten Aussichten und mit Menschen, die unsere Heimat in ihrer ganzen Schönheit mit uns teilen.

dabei gewesenDie vielen kleinen und schönen Gesten, die großen Worte auf dem Gipfel… das ganze Geschehen als gelungenes Zeichen der Vielfalt, die wir leben wollen und können in einer Demokratie, wird vom BgR Nordhausen, namentlich seinem Sprecherkreis, ausdrücklich unterstützt. Die Bilder und Worte sollen zur Kenntnis genommen werden. Der Harz ist ein fester Ort der Gastfreundschaft in Deutschlands Mitte und der Brocken das sagenumwobene Massiv, das einlädt.

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